Browserbasierte Zugriffe: Der blinde Fleck im PAM
Denken Sie an den heutigen Arbeitsalltag Ihres Teams: Administratoren konfigurieren Infrastrukturen über Cloud-Konsolen, DevOps-Teams steuern Deployments über webbasierte CI/CD-Dashboards, Finanzabteilungen greifen per Browser auf ERP-Systeme zu. Auch die Verwaltung von Endgeräten, Identitäten und Netzwerkkomponenten erfolgt zunehmend über Web-Anwendungen.
Der Browser hat sich längst zu einem der wichtigsten Werkzeuge im Unternehmen entwickelt. Gleichzeitig zählt er in vielen Unternehmen noch immer zu den am wenigsten abgesicherten Zugriffspunkten.
Wenn privilegierte Zugriffe im Browser stattfinden
In der IT-Sicherheit hält sich hartnäckig die Annahme, dass besonders risikobehaftete Aktivitäten vor allem auf Infrastrukturebene stattfinden – etwa bei SSH-Zugriffen auf Server, RDP-Verbindungen zu Arbeitsstationen oder dem direkten Zugriff auf Datenbanken. Genau diese Sitzungen werden im Rahmen von Privileged Access Management (PAM) überwacht, aufgezeichnet und kontrolliert.
Dieses Verständnis privilegierter Zugriffe greift jedoch zunehmend zu kurz. Heute findet ein erheblicher Teil sensibler Tätigkeiten direkt im Browser statt. Ob die Anmeldung an einer AWS-Konsole, die Neukonfiguration einer Firewall über ihre Weboberfläche, der Zugriff auf ein SCADA-Dashboard oder die Verwaltung von Identitäten über ein Administrationsportal – all diese Vorgänge erfordern privilegierte Berechtigungen. Entsprechend bergen sie dieselben Risiken wie klassische Infrastrukturzugriffe: kompromittierte Zugangsdaten, Session Hijacking, unbefugte Datenabflüsse oder laterale Bewegungen innerhalb der IT-Umgebung.
Dennoch bleiben solche Web-Sitzungen in vielen Unternehmen weitgehend unbeobachtet. Häufig werden sie weder überwacht noch durch bestehende Richtlinien für privilegierte Zugriffe erfasst und entziehen sich damit den vorhandenen Sicherheitskontrollen.
Warum der Browser zum bevorzugten Angriffsziel geworden ist
Der Browser bildet die Schnittstelle zwischen Anwendern, ihren Endgeräten und den Anwendungen, auf die sie zugreifen. Genau diese zentrale Rolle macht ihn zu einem attraktiven Angriffsziel. Laut einer 2025 veröffentlichten Studie des Marktforschungsunternehmens Omdia1 waren 95 Prozent der befragten Unternehmen innerhalb eines Jahres von browserbasierten Angriffen betroffen. 94 Prozent meldeten zudem Phishing-Vorfälle. Damit zählt der Browser zu den am häufigsten ausgenutzten Angriffsflächen in Unternehmen. Die Angriffsmethoden sind vielfältig und reichen von bösartigen Weiterleitungen und Drive-by-Downloads über das Abgreifen von Zugangsdaten bis hin zum Diebstahl von Session-Tokens.
In modernen Arbeitsumgebungen verschärft sich das Risiko zusätzlich:
- Externe Dienstleister und Partner greifen häufig von nicht verwalteten Endgeräten auf interne Web-Anwendungen zu und umgehen damit etablierte Endpoint-Sicherheitsmaßnahmen.
- Mitarbeitende im Homeoffice verbinden sich über private Netzwerke, deren Sicherheitsniveau für das Unternehmen oft nur schwer einzuschätzen ist.
- Mit der zunehmenden Nutzung von SaaS-Anwendungen werden sensible Daten in Web-Plattformen verarbeitet, die ursprünglich nicht für eine umfassende Unternehmens-Governance entwickelt wurden.
- BYOD-Konzepte (Bring Your Own Device) verwischen die Grenzen zwischen privater und geschäftlicher Nutzung auf demselben Gerät.
Jedes dieser Szenarien führt zu Web-Sitzungen, die außerhalb zentraler Kontrollmechanismen stattfinden können. Und jede unkontrollierte Sitzung erhöht das Risiko eines Sicherheitsvorfalls.
Wo klassische PAM-Konzepte an ihre Grenzen stoßen
Privileged Access Management (PAM) gilt seit Jahren als bewährter Ansatz, um den Zugriff auf kritische Systeme und Infrastrukturen zu kontrollieren. Überwacht und abgesichert werden dabei die klassischen privilegierten Zugriffswege – etwa SSH-Sitzungen, RDP-Verbindungen oder Datenbankzugriffe.
Doch genau dort endet in vielen Fällen die Reichweite bestehender PAM-Implementierungen. Der Zugriff auf Cloud-Konsolen, Administrationsportale oder SaaS-Anwendungen erfolgt zunehmend über den Browser und fällt damit häufig durch das Raster. Zwar werden Benutzer authentifiziert, ihre Aktivitäten innerhalb der Anwendung bleiben jedoch weitgehend unkontrolliert. Es fehlen Sitzungsaufzeichnungen, Echtzeitüberwachung und detaillierte Steuerungsmöglichkeiten, die festlegen, welche Aktionen Anwender nach der Anmeldung tatsächlich ausführen dürfen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: die mangelnde Transparenz. Laut derselben Omdia-Studie aus dem Jahr 2025 bleiben in den meisten Unternehmen rund 64 Prozent des verschlüsselten Web-Traffics ungeprüft. Selbst dort, wo Sicherheitskontrollen an den Netzwerkgrenzen vorhanden sind, bleibt damit ein Großteil der Aktivitäten im Browser für Sicherheitsteams unsichtbar.
Die Bedrohungslandschaft hat sich verändert. Sicherheitsstrategien müssen diesem Wandel folgen – und privilegierte Zugriffe im Browser genauso konsequent absichern wie klassische Infrastrukturzugriffe.
Wie sich privilegierte Web-Sitzungen absichern lassen
Die Absicherung browserbasierter Zugriffe sollte nicht zulasten der Benutzerfreundlichkeit gehen. Ziel ist vielmehr, Web-Sitzungen in dieselben Governance- und Sicherheitsprozesse einzubinden, die bereits für klassische Infrastrukturzugriffe gelten – ohne bestehende Arbeitsabläufe zu beeinträchtigen.
In der Praxis umfasst dies mehrere zentrale Maßnahmen:
- Sitzungsisolierung (Session Isolation): Web-Sitzungen werden in einer sicheren, isolierten Umgebung ausgeführt. Dadurch wird verhindert, dass Schadcode, Malware oder kompromittierte Anmeldedaten auf das Endgerät des Benutzers gelangen.
- Lückenlose Nachvollziehbarkeit: Sämtliche Sitzungen werden aufgezeichnet und protokolliert – einschließlich Videomitschnitten, Metadaten und Benutzeraktionen. Damit entsteht dieselbe Transparenz, die Unternehmen von privilegierten Serverzugriffen erwarten.
- Granulare Zugriffskontrollen: Unternehmen können präzise festlegen, welche Benutzer auf welche Anwendungen zugreifen dürfen, für welchen Zeitraum und mit welchen Berechtigungen. Dies umfasst unter anderem die Nutzung der Zwischenablage, Dateiübertragungen oder Druckfunktionen.
- Agentenlose Bereitstellung: Da keine zusätzliche Software oder Browser-Erweiterungen auf den Endgeräten installiert werden müssen, lässt sich die Lösung auch für externe Dienstleister oder nicht verwaltete Geräte schnell und unkompliziert bereitstellen.
Auf diese Weise werden Web-Sitzungen ebenso transparent und kontrollierbar wie andere privilegierte Zugriffe. Gleichzeitig können Anwender weiterhin mit den gewohnten Anwendungen und Prozessen arbeiten.
Wird der Browser in Ihrer Sicherheitsstrategie berücksichtigt?
Würde ein privilegierter Benutzer auf einen kritischen Server zugreifen, ohne dass seine Aktivitäten überwacht oder durch entsprechende Sicherheitskontrollen abgesichert werden, wäre dies in den meisten Unternehmen ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem.
Greift derselbe Benutzer jedoch über eine webbasierte Administrationsoberfläche auf diesen Server zu – innerhalb einer unkontrollierten Browser-Sitzung –, bleibt dies häufig unbemerkt. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen moderner IT-Umgebungen.
Gleichzeitig nimmt der Handlungsdruck weiter zu: Laut Check Point Research waren Unternehmen im zweiten Quartal 2025 durchschnittlich 1.984 Cyberangriffen pro Woche ausgesetzt – ein Anstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr.2
Jede unüberwachte Browser-Sitzung vergrößert die Angriffsfläche und schafft zusätzliche Möglichkeiten für Angreifer.
Der Browser hat sich längst zu einem zentralen Arbeitsbereich für privilegierte Tätigkeiten entwickelt. Entscheidend ist daher die Frage, ob die bestehende Sicherheitsstrategie dieser Realität bereits Rechnung trägt.
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